Gedanken zum Monat

Liebe Gemeinde!

„Manche Tage zählen für Jahre. Sie sind zu viel für einen Menschen“, so sagt es die Hauptfigur, Ferdinand Bardamu, in dem Roman „Reise ans Ende der Nacht“ von L. F. Celine. Manche Tage zählen für Jahre – das ist wohl auch das Gefühl der beiden Emmausjünger, die sich davonmachen. Sie hatten zu viel erwartet. Alles hatte doch so großartig begonnen: dieser Rabbi aus Nazareth; die Bergpredigt; die Wunder; all die neuen Gedanken über das Reich Gottes; die Vergebung der Sünden; Jesu furchtloser Umgang mit den politischen und religiösen Autoritäten; schließlich sein Einzug in Jerusalem. Hätte man da nicht hoffen sollen auf eine bessere Welt, auf eine Religion ohne Heuchelei und auf einen Menschen, der nicht spaltet, sondern zusammenführt? All das hing jetzt am Kreuz: gegeißelt, verspottet, verblutet, tot.

„Manche Tage zählen für Jahre. Sie sind zu viel für einen Menschen.“ Sie sind noch nicht einmal erträglich für zwei. Das ist keine Erfahrung nur von damals. Das ist Gegenwart. Für viele ist es schrecklicher Alltag. Da waren diese Jünger endlich froh, auf der richtigen Seite zu sein, endlich den Glauben gefunden zu haben. Sie waren froh, für etwas eingetreten zu sein, das sich lohnt. Und dann dieses Ende, diese Enttäuschung. Auch das ist Gegenwart für viele, die sich abwenden und weglaufen.

Und doch war da ein Tag, der für die Ewigkeit zählt: der Tag der Auferstehung von den Toten. Am Ende tappten die beiden im Dunkeln. Es gibt aber etwas jenseits vom Ende, über das Ende hinaus: Licht. Das erfuhren sie durch einen Fremden, der ihr Herz brennen ließ, der sie in ein Gespräch verwickelte. „Herr, bleibe bei uns!“ Und sie erkannten ihn beim Brotbrechen. Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Diese Zusage Jesu steht über jeder Zeit. Sie hilft auch heute über den toten Punkt hinweg und verheißt Zukunft.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Dechant Wolfgang Voges