Gedanken zum Monat

Brief von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ

Liebe Schwestern und Brüder,

mitten in dieser schweren Zeit, die durch das Corina-Virus geprägt ist, grüße ich Sie sehr herzlich. Es ist mir ein großes Bedürfnis, mit Ihnen in engem Kontakt und Aus-tausch zu bleiben. Ich weiß, wie schmerzlich diese Zeit für viele von Ihnen und für viele Menschen, die Ihnen lieb und teuer sind, ist. Unter Ihnen sind Menschen, die großes Leid durchleben und die hart geprüft werden.

Mit Dank erfüllt mich, wie Sie alle, liebe Schwestern und Brüder, in diesen schweren und uns alle herausfordernden Zeiten nicht nur zusammenhalten, sondern sich auch gegenseitig unterstützen und tragen und dabei Verständnis haben für Maßnahmen, die zum Schutz besonders der Kranken und Älteren getroffen wurden, von denen wir uns zu Beginn dieses Jahres nicht vorstellen konnten, sie jemals treffen zu müssen. Bevor ich zu einigen Vorschlägen und Empfehlungen komme, will ich Ihnen sagen, dass ich von Ihnen zahlreiche Rückmeldungen erhalte. Für diese Reaktionen, die konstruktiven und auch die kritischen, bin ich Ihnen sehr dankbar. Dankbar bin ich Ihnen auch für Ihr Gebet und Ihre Geduld. Umgekehrt versichere ich Ihnen, dass Sie und Ihre Lieben täglich in meine Gebete eingeschlossen sind. Mich persönlich trägt in diesen Wochen ein Wort aus dem 2. Timotheusbrief: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (1,7)

Noch ist das Ende der Corona-Krise nicht in Sicht. Weiterhin gilt es Abstand zu halten, Hygienemaßnahmen zu beachten, aufeinander Acht zu geben.

Gleichzeitig trägt die Selbstdisziplin, die wir in der letzten Zeit geübt haben, Früchte. Die Infektionszahlen sinken, die kleiner werdende Reproduktionsrate lässt hoffen. Das führt auch dazu, dass wir in den Kirchen und Religionsgemeinschaften über das Feiern von öffentlichen Gottesdiensten nachdenken können. Mich haben in den letzten Wochen viele Nachrichten erreicht, die ganz unterschiedlich geprägt waren: Die einen sehnen sich nach der vertrauten Normalität und bitten darum, möglichst bald die Feier der Gottesdienste wieder zuzulassen. Andere aber stellten gerade eine vorschnelle Rückkehr zum Bisherigen deutlich in Frage und warnen vor übereiltem Vorgehen. Wenn ich Ihnen heute nun die „Hinweise für die Wiederaufnahme von Gottesdiensten im Bistum Hildesheim“ zukommen lasse, bitte ich Sie sehr herzlich, bei allem, was vor Ort geschieht, mit aller Sorgfalt und großer Umsicht zu planen und zu agieren. Noch immer besteht überall die Gefahr, dass wir einander anstecken. Bitte haben Sie besonders die Menschen im Blick, die zu den Risikogruppen gehören. Passen Sie gut aufeinander und auch auf sich selbst auf.

Ausdrücklich bitte ich alle Priester, Diakone, Mitarbeiter*innen in den pastoralen Diensten und alle Ehrenamtlichen, die zu den Risikogruppen gehören, gut zu überlegen, ob Sie Gottesdienste leiten bzw. einen liturgischen Dienst übernehmen können oder wollen. Es ist mir ein großes Anliegen, dass Sie gut auf sich Acht geben und hier im Zweifelsfall lieber Zurückhaltung üben. Alle bitte ich herzlich um ihren Respekt für jene, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation entscheiden müssen, keine Dienste zu übernehmen. Gleichzeitig empfehle ich, zunächst mit Wortgottesfeiern zu beginnen. In diesen Zeiten sind kleine und kurze Gottesdienste in jedem Fall angebrachter als lange Zusammenkünfte, bei denen sich viele treffen. Langsam und mit Bedacht kann dann, je nach Ermessen, auch wieder die Eucharistie gefeiert werden. Wir werden neue Erfahrungen mit neuen und mit schon bekannten Formen des gemeinsamen Betens machen. Die neuen und die vertrauten Formen werden uns stärken und tragen, dessen bin ich gewiss, zumal wir genau diese Erfahrungen in den letzten Wochen dank Ihnen schon machen durften.

Da sicherlich gerade ältere und erkrankte Menschen zögern werden, einen öffentlichen Gottesdienst zu besuchen, werden wir die Messfeiern aus dem Dom weiterhin streamen. So geschieht es auch an anderen Orten in unserem Bistum. Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil es an vielen Orten der Diözese noch nicht möglich sein wird, die Eucharistie zu feiern. Ebenso werden wir Ihnen auch Modelle für häusliche Gottesdienste weiter zur Verfügung stellen.

Ihnen allen bin ich für Ihr bedachtes, umsichtiges Handeln in diesen anstrengenden Zeiten sehr, sehr dankbar. Sie haben dem Evangelium durch Ihre Kreativität, Ihr Engagement, Ihre Zuwendung gerade zu den Einsamen, den Familien und den Älteren ein Gesicht gegeben. Ihre geübte Geduld, mit der Sie diese Zeit beleben, ist ein bleibendes Zeichen mitmenschlicher Solidarität und Fürsorge.

Bleiben wir einander und füreinander im Gebet verbunden,

Dr. Heiner Wilmer SCJ
Bischof von Hildesheim

Gedanken von Pfarrer Oliver Lellek

Dankbarer durch Corona

Nein, nicht „für“ Corona bin ich dankbar – diese Krankheit ist grausam. Aber „durch“ Corona bin ich dankbarer geworden. Für das, was bisher selbstverständlich erschien, es aber keineswegs ist. Wer meinte: „Was ich bin und was ich habe, das habe ich mir selbst erarbeitet“, hat plötzlich gemerkt, wie groß die Abhängigkeit von Umständen ist, die ich nicht in der Hand habe. Ein winziges Virus genügt, um Freiheiten, Begegnungen, Schule und Arbeitsplätze einzuschränken oder gar stillzulegen.

Wenn es etwas gibt, das wir aus dieser Krise mitnehmen können, dann ist es die Dankbarkeit. Dankbarkeit natürlich auch für jene, deren Dienst zu wenig geschätzt und nun als „systemrelevant“ erkannt wurde. Dankbarkeit aber vor allem für die eigenen Lebensumstände, die ich zu einem Großteil nicht mir selbst verdanke. Religion wird auch definiert als „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“: Das Leben als ganzes sowie mein persönliches Leben ist nicht selbstverständlich, nicht von mir gemacht. Es hängt von vielem ab, und dafür darf ich danken. Als Christen haben wir eine Adresse für den Dank, wir nennen sie „Gott“. Dank sei Gott für alles Gute, mit dem wir im Leben beschenkt sind! Und Dank für Mut und Beistand in schweren Zeiten! Den Beistand von oben feiern wir Pfingsten.

Dankbar bin ich auch allen, die in diesen unsicheren Zeiten Entscheidungen treffen, damit das Leben weitergeht. Nicht alle Entscheidungen finde ich gut, dennoch bin ich dankbar. Denn ohne Regelungen läuft nichts, und wer etwas tut, macht bekanntlich auch Fehler. Dankbar bin ich aber auch denen, die es aushalten, manches derzeit nicht entscheiden zu können. Denn nicht wir selbst haben das Leben in der Hand. Bleiben wir dankbar!

Oliver Lellek
Pfarrer von St. Mauritius