Wort zum Monat

Ist Selbstmord liberal?

Ostern denken wir an Sterben, Tod und Auferstehung. Wir feiern dasLeben, das stärker ist als der Tod. Auch der Bundestag kümmert sichderzeit um Tod und Sterben, denn das Bundesverfassungsgerichtverlangt eine Neuregelung der sog. „Sterbehilfe“, genauer: derTötung auf Verlangen und der Beihilfe zur Selbsttötung. Dürfen Ärztetödliches Gift zur Verfügung stellen? Dürfen Vereine undUnternehmen Geld mit dem Geschäft ums Sterben verdienen unddafür Werbung machen?

Vordergründig klingt „Sterbehilfe“ positiv. Denn niemand will amEnde des Lebens an Schläuche und Maschinen gehängtdahinvegetieren. Dann lieber „selbstbestimmt“ dem Leben ein Endesetzen. Ist das wirklich die Alternative? Menschlicher Beistand in derletzten Lebensphase wäre besser als eine reine Apparate-Medizinund besser als Tötung. Wir investieren viel in Technik, aber leiderwenig in Menschlichkeit. Ist eine Gesellschaft human, in derMenschen den Eindruck haben, sie dürften niemandem zur Lastfallen, und daher aus dem Leben scheiden? Ist es eine „freie“Entscheidung, den Tod zu wählen?

Human wäre es, Leiden zu lindern, anstatt Leidende aus dem Lebenzu drängen. Hospize sind daher das Gebot der Stunde! Dort werdenMenschen würdevoll bis zuletzt begleitet, wenn keine Heilung mehrmöglich ist. Dann sind Krankenhäuser nicht der richtige Ort. InHospizen geht es nicht um technische Geräte, sondern ummenschliche Zuwendung. Die Kirchen in Deutschland laden mit derWoche für das Leben vom 17. bis 24. April unter dem Motto„Leben im Sterben“ dazu ein, würdevolles Leben bis zuletzt zuermöglichen. Das Thema betrifft uns alle!

Eine segensreiche Osterzeit wünscht Ihnen

Oliver Lellek,
Pfarrer von St. Mauritius