Wort zum Monat

„Die Wollausgabe ist immer mein Highlight und fördert sofort meine Kreativität.“

Liebe Leserin, lieber Leser.

Was ist selbstverständlich?

Wenn wir von „selbstverständlich“ sprechen, gehen wir von einem bestimmten Zustand aus – oder wir meinen es zumindest, dass es so ist. Aber was ist, wenn es gar nicht so ist? Haben wir das in dieser Pandemiezeit nicht auch erlebt? Plötzlich war und ist vieles nicht mehr selbstverständlich: rausgehen, einkaufen, Freunde treffen, spontan einen Besuch abstatten, zur Schule gehen, die Arbeitskolleg:innen zu sehen, reisen, sich zu umarmen, Krankenbesuche, …

Wir alle sehnen uns nach einem Leben, in dem all das wieder selbstverständlich ist. Vielleicht hat uns diese Zeit der Pandemie auch einen neuen Blick auf bestimmte Dinge geschenkt: Ich bin wieder dankbar für Kleinigkeiten und ich sehe wieder Dinge, die ich sonst gar nicht mehr wahrgenommen habe.

In meiner Arbeit als Gefängnisseelsorgerin erlebe ich oft Situationen, in denen vieles nicht mehr selbstverständlich ist. Ich habe in den letzten zwei Jahren immer wieder Spendenaufrufe in unseren Pfarrbriefen gestartet und Materialien gesammelt, wie z. B. Wolle. Sachen, die bei vielen zu Hause herumliegen und nicht mehr gebraucht werden. Vieles ist zusammengekommen.

Dafür möchte ich heute mal ein ganz herzliches DANKESCHÖN ins Dekanat Hildesheim schicken. Ich bin überwältigt von der spontanen und großen Spendenbereitschaft und den vielen Begegnungen, die dadurch zustande gekommen sind!!!

Inhaftierte sagen mir immer wieder, wie dankbar sie für diese Spenden sind – sei es eine Kladde zum Aufschreiben von persönlichen Gedanken oder Gedichten, Häkelnadeln und Wolle zum Handarbeiten oder die Schokolade als Stimmungsaufheller.

Frau M.E., eine Inhaftierte der JVA für Frauen in Hildesheim schreibt dazu: "Ich möchte mich ganz herzlich für das Engagement der Menschen vor der Mauer bedanken! Denn die Wolle, sowie Zubehör und Anleitungen zu bekommen verschönert mir meinen Haftalltag. Viel konnte ich nicht, aber nun habe ich per "Selbststudium" viel dazu gelernt und mich in die Materie reingelesen. Die Wollausgabe ist immer mein Highlight und fördert sofort meine Kreativität und für jedes Knäuel kommen Ideen. Vielen Dank."

Kommen Sie gut und behütet durch den Juni!!

Angelika Röde
Gemeindereferentin in der Kath. Pfarrgemeinde Liebfrauen, 05121-28290-33, Angelika.roede(ät)bistum-hildesheim.net
Seelsorgerin in der JVA f. Frauen, 05121-17949-33 (dienstags u. donnerstags), angelika.roede@justiz.niedersachsen.de